Ein Glückstag für Ogrosen

Evang. Dorfkirche Ogrosen:
Festgottesdienst anläßlich der Wiedereinweihung
Samstag, 25.05.2013, 10:30 Uhr

Ein Glückstag für Ogrosen
Mit Festgottesdienst und Mittelalterfest feiern Einwohner und Gäste die Kirchensanierung
von Hannelore Kuschy

Ogrosen O happy day – diesen glücklichen Tag für Ogrosen hat der Gospelchor „Trinitygospels“ des Kirchenkreises Niederlausitz unter der Leitung von Andreas und Claudia Jaeger besungen. Der Chor begleitete den Festgottesdienst zum vorläufigen Abschluss der Kirchensanierung. Mehr als 320 000 Euro sind innerhalb von vier Jahren verbaut worden.

Der Gospelchor des Kirchenkreises Niederlausitz besingt den glücklichen Tag für Ogrosen. Bis auf die Orgel und die Epitaphien derer von Stutterheim ist das Gotteshaus saniert. Zum Festgottesdienst waren alle eingeladen, die nach ihren Möglichkeiten dazu beigetragen haben
Foto: Kuschy

Trinity Gospels in Ogrosen

Die alte Ogrosener Kirche bleibt im Dorf, egal, wie oft sie schon totgesagt wurde. Ein Verdienst ist das vor allem von Christel Paulick, die von sich sagt, dass sie „nur der Kopf einer großen Bande ist“, die das Wunder von Ogrosen vollbracht hat. „An diesem Festtag aber steht ihr das Schwerste bevor“, so formuliert es Superintendent Thomas Köhler. „Sie muss aushalten, was Leute über sie sagen.“ Und jeder, der gekommen ist, verneigt sich mit Worten oder in Gedanken vor der engagierten Frau.

Bertram Schulin aus der Nähe von München ist mit seiner Frau Ulrike da. Ihn trieb es vor fünf Jahren nach Ogrosen, weil er ein Buch über Taufbecken schreiben wollte. In der leeren, vernachlässigten Kirche fand er eines, nahm schnell Decke und Blumen herunter und schoss ein Foto. „Da stand plötzlich diese Frau vor mir“, erzählt er. „Schöne Kirche, und der Taufstein…“, stammelte er. Das war der erste Kontakt. Spenden für die Kirchensanierung folgten. Und das bayerische Bier zur Party hat er wie versprochen mitgebracht.

„Glücklich sind alle, die hier in der Kirche sitzen und erleben, was vollbracht wurde“, stellt Pfarrer Stephan Magirius fest. Dieses Glück spüren Gisela und Michael Stix. Seiner verstorbenen Schwester Erika ist es nicht mehr vergönnt, das große Glück mit den vielen Gästen zu teilen. Sie hatte mit ihren überaus großzügigen Spenden den Beginn der Sanierung überhaupt erst möglich gemacht, erlebte aber noch die Glockenweihe vor zwei Jahren. Auch Kara Huber, Frau des ehemaligen Landesbischofs, steht die Freude ins Gesicht geschrieben. Sie engagiert sich seit 15 Jahren im Förderkreis Alte Kirchen und verewigte Ogrosens Gotteshaus in ihrem Buch „Brandenburgische Dorfkirchen und ihre Hüter“, das sie an diesem besonderen Tag mitgebracht hat.

49 Jahre lang war Anne Munding, Enkeltochter von Arnold Weimann, erster Pfarrer nach dem Krieg in Ogrosen, nicht mehr in dem kleinen Ort – heute ehrt sie mit ihrem Gesang beim Festgottesdienst das großartige Werk vieler Menschen. Deren Spuren zeichnet Pfarrer Stephan Magirius nach. Gelegt wurden sie von vielen Ogrosenern, von Spendern, deren Spuren bis über den großen Teich reichten, so Magirius. Spuren hinterlassen auch Kulturschaffende wie Mezzosopranistin Carola Fischer, die ihre Zusage wahr machte, so lange Konzerte in der Kirche zu geben, bis diese saniert ist. Und sie kommt schon am 8. Juli mit ihren Kollegen des Staatstheaters Cottbus wieder. Die Kreismusikschule, immer wieder in der Kirche zu Gast, öffnet auch an diesem Tag die Herzen der Gäste.

Ein Mittelaltermarkt im Pfarrhof zieht am Nachmittag viele Besucher an – Frauen aus Ogrosen haben Kuchen gebacken, junge Leute helfen beim Verkauf. Denn Geld wird für die geschwächte Orgel und die Sanierung der Epitaphien gebraucht. Deshalb wird Christel Paulick der Kopf einer großen Bande bleiben.

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